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Ein Stipendienvorhaben für den Musikfonds (STIP-6), Förderjahr 2027.

Ich verlege die kompositorische Entscheidung von der einzelnen Note auf das Belohnungssystem einer Maschine. Es geht um musikalisches Material, das keine menschliche Tradition hervorgebracht hätte — gefunden, nicht gesetzt.

Denis Połeć · in Kooperation mit dem ligeti zentrum Hamburg und dem Ensemble Resonanz (angefragt).

Idee

Wer komponiert, wenn nicht ich die Töne setze, sondern die Kriterien vorgebe, nach denen ein System sie auswählt?

Mein Stipendienjahr verschiebt die künstlerische Entscheidung von der Note auf das Belohnungssystem. Ich frage, welches musikalische Material entsteht, das keine kulturelle Evolution hervorgebracht hätte — fremd und dennoch klar geformt.

Die Festlegung, welche musikalischen Strukturen durch Mutation und Selektion überleben, wird zur eigentlichen Partitur.

Konzept

Ausgangspunkt sind Karl Sims’ Evolved Virtual Creatures (1994). Sims ließ Körper und Verhalten virtueller Wesen gemeinsam evolvieren, und es entstanden Formen, die niemand explizit entworfen hatte.

Solche Suchen brauchen ein Ziel. Bei Sims war es die Fortbewegung. Für Musik existiert kein solches objektives Ziel. Dieses Ziel zu erfinden und zu formulieren, bildet den Kern des Vorhabens.

Mich faszinieren missverstandene Zielvorgaben — Selection Gone Wild. Das System findet Lücken in meinen Spielregeln und überlistet meine Intentionen. Genau dort wird sichtbar, dass meine Auswahlkriterien die Komposition sind.

Reward

Die eigentliche künstlerische Frage liegt im Design der Reward-Funktion.

Belohne ich die Nähe zu vorhandener Musik, entsteht bloße Konvention. Belohne ich nichts, bleibt nur Rauschen. Das Ziel ist, das schmale Band zu navigieren, in dem Material völlig fremd und dennoch musikalisch notwendig erscheint.

Statt ein festes Endziel zu optimieren, belohne ich durch Novelty Search ausschließlich strukturelle Neuheit. Das führt oft zu biologischer Konvergenz: Stimmen beginnen zu kooperieren oder sich gegenseitig den akustischen Raum streitig zu machen — eine Art musikalischer Parasitismus.

Methoden

Ein lokal gehostetes KI-Ökosystem bildet die technische Basis. Der bewusste Verzicht auf rein imitierende Konzern-KI ist dabei eine inhaltliche Entscheidung.

Format

Die generierten Konzepte bleiben nicht im digitalen Raum. Im Förderjahr 2027 entsteht ein abendfüllendes Format, das die Ergebnisse in den echten akustischen Raum überführt.

Das ligeti zentrum Hamburg stellt als technischer Partner die KI-Recheninfrastruktur, den fachlichen Austausch mit Expert:innen und bei Bedarf Labor- und Arbeitsumgebungen bereit.

Für die musikalische Umsetzung ist das Ensemble Resonanz angefragt. Auf der Bühne treffen algorithmisch gefundenes Material, Live-Elektronik und menschliche Interpret:innen aufeinander. Das Ensemble agiert als kybernetisches Gegenüber. Manches ist direkt spielbar, anderes löst sich erst in der physischen Reibung zwischen Mensch, Instrument und Code ein.

„Wir sehen in diesem Projekt einen vielversprechenden Beitrag zur künstlerischen Erforschung generativer Systeme und freuen uns darauf, seine Entwicklung am ligeti zentrum zu begleiten." — Christine Preuschl, ligeti zentrum

Werke

Meine bisherigen Arbeiten beschäftigen sich mit Maschinen, die menschliches Material wahrnehmen, klassifizieren, kommentieren und verändern. Der nächste Schritt ist die Abkehr von der bloßen Bearbeitung hin zur Maschine als autonomem Suchapparat.

Bilder

Kontakt

Denis Połeć — Komponist und Medienkünstler, Hamburg.

denispolec.de · info@record-o-mat.de

Diese Seite begleitet die Bewerbung Mutations für den Musikfonds STIP-6 und ist nicht öffentlich.